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In Sonnewalde war schon der Weihnachtsmann. So kommt es Mario Schicketanz, Vorsitzender vom Sportverein Blau-Gelb, jedenfalls vor. Dieser Tage steckte ein Schreiben vom Land im Vereinsbriefkasten – drauf steht sinngemäß: Potsdam greift tüchtig in die große Kiste mit dem Fördergeld und bezahlt den Sonnewaldern den Bau eines neuen Vereinshauses – jedenfalls zu 66 Prozent. Aber immerhin. Nicht nur für Mario Schicketanz geht ein jahrelanger Weihnachtswunsch in Erfüllung.
Die Zustände können nicht als normal bezeichnet werden. Das kleine Vereinshaus am Rande des Sportplatzes ist irgendwann nach dem Krieg entstanden und immer mal ein Stückchen um- und angebaut worden. Am Ende blieb es viel zu klein, wenn Mannschaften sich hier vor dem Spiel umziehen und danach duschen wollten. In einer mickrigen Kammer, die Umkleide, Ausschank und Trophäenstube in einem war, drängelten sich bei Spielen zwei Mannschaften.
"Als großes Glück empfanden wir es da schon, als uns die Firma Böllhoff zwei Container mit Duschen, Toiletten und zum Umkleiden schenkte", erinnert sich Thomas Galle vom Vereinsvorstand. Doch nach elf Jahren ist auch der Zustand der Notunterkünfte nicht besser geworden. Die Blau-Gelben hatten lange im Traum nicht daran gedacht, dass Sonnewalde mit der klammen Stadtkasse Geld für ein neues Vereinshaus übrig hat. Doch dann kratzte man im Rathaus alles zusammen, griff sogar die Rücklage an – und bekam immerhin mehr als 64 000 Euro zusammen.
Aus welcher vermutlich privaten Tasche der Verein die 10 000 Euro herbekam, die als Eigenanteil notwendig sind, um beim Förderprogramm "Goldener Plan Brandenburg" als erster Verein im Elbe-Elster-Kreis abzusahnen, behält Mario Schicketanz für sich: "Wir müssen zusehen, dass wir das Geld über Spenden wieder reinbekommen."
Doch nicht nur Geld wird gebraucht fürs neue Vereinshaus, auch Muckis sind gefragt und Mitglieder, die den Bau mit Händearbeit unterstützen. "Wir wollen die Gesamtkosten von über 270 000 Euro durch Eigenleistungen um 52 000 Euro reduzieren", rechnet Mario Schicketanz vor. "Leichte Bauarbeiten und solche, für die man kein Zertifikat braucht, wie Trockenbau, Dämmung und Fliesen verlegen, wollen wir alleine machen", sagt Thomas Galle.
Stolz breitet der Chef der "Baubrigade" vom Verein die Bauzeichnung aus: "Das wird ein Top-Ding", schwärmt der 45-Jährige und beschreibt ein Vereinsheim, wie es das in der Geschichte von Sonnewalde noch nicht gegeben hat: "Es gibt zwei Anbauten an unserem alten Gebäude, das innen komplett verändert und zur Küche und Gästetoilette umgebaut wird. Rechts, wo jetzt die überdachte Terrasse ist, entsteht ein großer Vereinsraum, links schließen sich vier Bereiche mit Umkleideräumen und Sanitäranlagen an. Alles zusammen hat eine Grundfläche von 330 Quadratmeter – und obendrauf kommt ein Spitzdach, damit auch das Auge was davon hat."
Das dürfte bei so manchem alten Sonnewalder kaum trocken bleiben, wenn der sich bei dem Anblick an die alten Zeiten erinnert. Wie Fritz Kühne zum Beispiel, der noch weiß, wie der Sportplatz entstand: "Vor dem Krieg befanden sich hier noch Bäume, dazwischen war eine Sprunggrube und zur Straße hin ein kleiner Faustballplatz.
" Nachdem 1947 das Solmsche Schloss abgebrannt war, wurden die Trümmersteine mit Loren hierher gerollt und in den Sumpf gekippt. 1948 entstand darüber nach und nach der Sportplatz.
Jahre später, so erinnert sich auch Hans-Günter Schwan, guckten die Mauersteine aus dem Boden raus – und wurden zu Stolperfallen. Ende der 70er musste der Platz gar gesperrt werden, Fußballspielen war zu gefährlich geworden, die Sonnewalder mussten nach Goßmar ausweichen. Erst als später eine dicke Erdschicht auf das vergrabene Schloss kam, kehrten die Kicker hierher zurück.
1990 ist der SV Blau-Gelb 90 gegründet worden, der vorher BSG Traktor hieß. Von anfangs 105 Mitgliedern stieg die Zahl mittlerweile auf 212, die nicht nur Fußball, sondern auch Volleyball, Billard und Tischtennis spielen, die Frauen treiben Sport in einer Gymnastikgruppe. Etwa 40 Prozent der Mitglieder sind Jugendliche, die nicht nur aus der Stadt, sondern aus nahezu allen Dörfern der Umgebung – und nicht nur aus den Ortsteilen kommen.
Gegenwärtig laufen die Ausschreibungen. Noch vor Weihnachten sollen die Abrissarbeiten beginnen, in der zweiten Januar-Woche ist – sofern das Wetter mitspielt – der Baustart geplant. Ein Jahr später will man das neue Sonnewalder Vereinshaus einweihen.
Von Dieter Babbe
Quelle: LR-Online (http://www.lr-online.de/regionen/Finsterwalde-Sonnewalde-Sportverein-Foerderung;art1057,2273299,0)
Der Sport, speziell der SV Blau-Gelb 90 Sonnewalde, der frisch gebackene Kreismeister und Aufsteiger in die Landesklasse, stand auf der letzten Sitzung der Sonnewalder Stadtverordnetenversammlung vor der Sommerpause im Mittelpunkt der parlamentarischen Beratung. Der äußerst erfolgreich agierende Verein hat ein echtes Problem – und das steht in Form von mehreren Containern seit Anfang der 90er Jahre auf dem von der Stadt gepachteten Vereinsgelände.
Umkleiden, duschen, Siege feiern, alles muss unter diesen widrigen Bedingungen stattfinden. Über den „Goldenen Plan Ost“ hatte man sich in der Vergangenheit mehrfach um Mittel für ein festes Vereinsgebäude beworben, allerdings ohne Erfolg. Der „Goldene Plan Ost“ ist ausgelaufen, dafür gibt es jetzt den „Goldenen Plan Brandenburg“. In der Prioritätenliste landeten die Sonnewalder nun auf Platz eins des Landkreises, wenn es darum geht, Sportstätten im Land zu verbessern. Eine Chance, die man sich ungern entgehen lassen möchte. 66 Prozent der veranschlagten Summe für einen festen Neubau würde das Land zuschießen, wenn von der Kommune entsprechende Eigenmittel zur Verfügung gestellt werden.
Gut gedacht, doch im Falle von Sonnewalde, wo man seit Jahren mit einem Haushaltssicherungskonzept leben muss, leichter gesagt, als getan. Mario Schicketanz, der Vereinsvorsitzende, ließ sich diese Chance dennoch nicht entgehen und unterbreitete den Stadtverordneten seinen Plan. Er warb mit allen Mitteln für einen Neubau. Vier Umkleidekabinen und angemessene Sanitäranlagen sollen entstehen, nach ersten Planungen würde die ganze Sache 270 000 Euro kosten. „Wir haben uns hingesetzt und alles durchgerechnet“, so Schicketanz. „Durch Eigenleistungen würden wir den Preis auf 198 000 Euro drücken können und zusätzlich könnte der Verein 10 000 Euro in bar dazu geben.“ Mit ganz spitzer Feder gerechnet würde ein Eigenanteil von 64 119 Euro für die Stadt übrig bleiben.
In seiner Werbung für das Projekt, besonders in Hinsicht auf die äußerst wichtige und erfolgreiche Nachwuchsarbeit, rannte Mario Schicketanz bei den Abgeordneten offene Türen ein. Allein woher das nötige Geld nehmen, blieb das zu klärende Problem. Noch verfügt die Stadt über Rücklagen, und daraus will man nun 20 000 Euro entnehmen, um das Projekt zustande zu bringen, schlug Bürgermeisterin Silke Neisser vor. „Den Rest stellen wir in den Haushalt 2009 ein“, so ihr Statement. Allerdings gibt es da noch die Kommunalaufsicht des Landkreises, und der hat man die Sache so auch schon vorgeschlagen. „Die Antwort“, so Neisser, „war etwas schwammig, und ich denke, wir sollten dem Projekt unsere Stimme geben, so eine Chance kommt so schnell nicht wieder.“ Einstimmig folgte das Stadtparlament dem Vorschlag der Verwaltung.
Wird nun der Fördermittelbescheid bestätigt, erfolgt noch in diesem Jahr der Spatenstich bei den Blau-Gelben. Sichtlich erleichtert nahm Mario Schicketanz die Entscheidung auf und leitet nun gleich die erforderlichen Antragswege ein. In diesem Zusammenhang bedankte er sich für die „stets konstruktive Zusammenarbeit“ bei der Stadtverwaltung sowie den Stadtverordneten und lobte das «sehr gute Mitein ander zwischen Stadt und Verein», so Mario Schicketanz – wohl wissend, dass Geld in allen 17 Sonnewalder Ortsteilen dringend benötigt wird.
Torsten Pötzsch
Quelle LR-Online (http://www.lr-online.de/regionen/Finsterwalde;art1057,2088924,0) vom 01.07.2008